Oliver Heim: Budapester vs Wiener Gekranzelte

                                                                            

Oft höre ich die Theorie von deutschen Züchtern, daß die gekranzelten Wiener Hochflugtauben nur Kreuzungstiere sind und viel Blut vom Budapester Hochflieger enthalten, gegenüber den Stilflugtauben, die echte Wiener sind. Da ich in Ungarn geboren bin und mehrere Linien von den vorher erwähnten Rassen hatte, kam mir die Idee dieses Thema ausführlich zu besprechen. Es gibt einen guten Spruch "man darf seine Vergangenheit nicht vergessen"! Ich vergesse sie nicht und habe gerade deshalb viel Erfahrung, anhand der ich so einen Artikel ehrlich schreiben kann. Das sage ich, weil ich meine "Wiener-Karriere" im Jahr 2012 mit diesen hellgestorchten Stilflugtauben angefangen habe. Jetzt züchte ich aber nur mehr mit Gekranzelten, die ich mir direkt aus Österreich besorgt habe, sowie mit einigen Gespritzten von Thomas Rothbauer, der auch nur österreichische Linien hat.

Budapester Hochflieger

Verschiedene Budapester am Markt

Die beliebteste Flugrasse in Ungarn mit einer Flugzeit von mehr als 10 Stunden. Er hat zwei Farb- und mehrere Zeichnungsvarianten: Weiße, Gestorchte, Plattige, Dunkelgestrichte, Gespritzte, Gekranzelte und Gekranzelte mit weißem Körper. Die ungarischen Züchter fliegen oft mit gemischten Stiche. Unter "gemischt" verstehe ich die verschiedenen Farbschläge und nicht andere Rassen, obwohl man laut der ungarischen Jaukerordnung die Möglichkeit hat 2 andere Tauben als Stichzeichen mitzufliegen. Es sind meistens blau- und schwarzgeschwingte Tauben, die in Ungarn als Csapos bekannt sind. Ein Stich soll aus mindestens 16Stk und maximal 24Stk Tauben bestehen. Der Flugstandard der Rasse ist 5 Stunden Flugzeit davon 1 Stunde Unsichtbar. Wenn man sich die Flugergebnisse anschaut, sieht man aber sofort, daß die Budapester Stiche oft viel länger fliegen. Ein Flug in der Nähe von 10 Stunden ist heute keine Sensation. Das Problem ist eher ein gemeinsames Landen des Sticher zu erreichen. Das heißt mindestens 14 Tauben in 20 Minuten. Der Flug dieser Tauben ist meistens langsam, sie fliegen energiesparend große Kreise. Der Aufsteigen ist auch nicht rasant, sondern ganz ruhig.

Hosszidő/Fluglange - Röpi/Preishöhe - Tűnő/Unsichtbar - Megült/gemeinsam gelandet - Pontszám/Punkte

 Der Vergleich

Das Aussehen: ich habe sehr viele gekranzelte Budapester und Wiener Hochflugtauben gesehen und was mir immer aufgefallen ist, daß der Budapester mehr oder weniger aber immer gröber und größer ist als der Wiener. Die Brust selbst ist viel breiter und der Hals ist auch etwas dicker. Der Kopf des Budapesters ist auch meistens runder, nicht so kantig und eckig wie bei dem Wiener. Der Schnabel, der auch breiter kommt oft nicht gerade aus dem Kopf raus, sondern er senkt. Der Körper und die Flügel des Budapesters sind immer länger, sie tragen den Körper auch waagerechter. Die Füße sind kürzer, damit ist die ganze Haltung tiefer und nicht so adelig wie beim Wiener.

Eine Voliere idealer Budapester Gekranzelten

Der Schwanz, der bei den Gekranzelten Wienern so schön eng ist, ist meistens breiter beim Budapester. Die ungarischen Züchter mögen diese Tauben, weil sie mit den 14 sogar 16 Schwanzfedern Energie sparen, da sie mehr Luft fangen können und es so für sie viel einfacher ist in der Luft zu bleiben und länger zu fliegen.

14 Schwanzfedern bei einem gekranzelten Budapester

Der Flug: er ist bei diesen zwei Rassen so unterschiedlich, wie er nur sein kann. Obwohl beim Budapester das Ziel auch immer der Hochflug war. Inzwischen haben die ungarischen Züchter solche Tauben gezüchtet, die mehr als 10 Stunden lang fliegen können. Warum ist das gut? Weil in der Jaukerordnung steht "je Flugminuten 2 Punkte". Denken Sie bitte etwas nach, wenn man solche Tauben hat, die nicht konstant in Preishöhe sind, dann werden sie nicht so oft abdrehen wie die, welche kürzer fliegen aber viel mehr in unsichtbarer Höhe. Die Punkte werden kommen und man verliert die Tauben nicht.

Typisch Wiener

Es gibt auch eine andere Theorie für diese langen Flüge. Ein Teil der ungarischen Züchter sind der Meinung, daß die blauen Tippler, die in den 1960 Jahren nach Ungarn gekommen sind eingekreuzt wurden. Das kann ich auch glauben, man sieht ja viele gräuliche Tauben, die Köpfe wie Tippler haben. Die Zusammenhalt in einem Budapester Flugstich ist meistens auch nicht so gut wie bei den Wienern und wenn die Tauben einen Angriff von einem Raubvögel ausgesetzt sind, spritzen sie in alle Himmelsrichtungen auseinander. Ein guter Wiener Stich wirkt gegenüber den Budapester optisch immer kleiner. Wenn die Tauben nicht in Preishöhe fliegen sondern etwas tiefer, kann man sehen, daß die Tauben einander mit dem Flügel fast berühren. Wenn der Falke aber hartnäckig ist und den Stich sprengt, suchen die Wiener sofort einander und nach einigen Minuten formen sie wieder einen Stich. Die Budapester sind meistens ganz anderes, nach dem Angriff fliegen sie in ganz kleinen Trupps, 3-4 Tauben zusammen und wenn sie die Möglichkeit haben, kommen sie eher in den Flugschlag zurück.

Gekranzelte Budapester Hochflieger

Mit den Jungtauben habe ich auch ganz verschiedene Erfahrungen. Die jungen Budapester brauchen viel mehr Zeit im Stich zu fliegen. Was bei dem Wiener maximal eine Woche dauert, kann bei den Budapester 2 Woche dauern. Die Verluste sind bei den jungen Budapester viel höher. Wenn der Nachbar laute Geräusche mach wie zum Beispiel Holzhacken oder Rasenmähen und die Jungtauben sind das noch nicht gewöhnt oder man kommt ihnen zu Nahe, kann man sich sicher sein, daß sie aufsteigen werden.

Jungen Wiener Gekranzelten

Die jungen Budapester gehen dann nicht nur in der Höhe sondern fliegen auch immer weiter weg, bis sie von ihren Schlägen so weit weg sind, daß sie nicht mehr zurückfliegen können. Ein anderes Thema ist das Abdrehen. Das kam bei beiden Rassen vorkommen, weil sie ja sehr gute Hochflugtauben sind. Die Verluste sind aber wieder ganz unterschiedlich. Nach dem Abdrehen kommt meistens nur 10% der Budapester zurück, aber es kann auch passieren, daß keine einzige Taube mehr nach Hause kommt. Meine Jungen Wiener haben in 2018 mehrmals abgedreht, tortzdem waren meine Verlust insgesamt nur 3Stk.

Budapester Jungen im Ausflug

Zum Schluß möchte ich erwähnen, daß ich mit diesem Artikel, den Budapester nicht herabsetzen wollte, sondern ich möchte die zwei Rassen vergleichen. Jede Flugrasse hat ein Ziel, meiner Meinung nach ist dieses Ziel mit dem Budapester vor allem die Länge des Fluges, gegenüber den Wiener, wo das Ziel immer der Hochflug war.

Copyright 2011 Oliver Heim: Budapester vs Wiener Gekranzelte.
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