Die Wiener Hochflugtaube

Wiener Hochflugtauben sind eine alte österreichische Taubenrasse, die zu den Tümmlertauben gezählt wird. Sie wurden in Wien, speziell in den Arbeiterbezirken von den Wiener Taubenzüchtern(Jauker) für den Hochflugtaubensport erzüchtet. Es sind kleine, elegante, mittelschnäbelige Tauben mit stolzer Haltung. Ein alter Wiener Jauker hat es einmal treffend in einem Satz zusammengefasst. Zitat: "Ihre Figur, Farbe und Zeichnung, der Aufstieg und die Art ihres Fluges sind für mich einmalig!"

Die Rasse kann nachweislich auf eine lange Zuchtgeschichte und Tradition welche bis ins 17. Jahrhundert schriftlich belegt ist zurück blicken. Anfangs des 17. Jahrhunderts schrieb der Franziskaner Pater Ironimus Jerman ein kleines ornithologisches Werk worin auch ein Kapitel der Zucht und Haltung von Wiener Hochflugtauben gewidmet ist. Er beschreibt sie darin als Kreisziehertauben die hoch in den Lüften in großen Schwärmen ihre Flüge vollführten und des öfteren ausser Sichtweite gingen. Auch Farbenschläge wie die weißbäuchige(Kiebitze), Grünhalsige Grammerte(Dunkelstörche), Hellstörche, Schimmel, Einfärbige, Geganselte, Tigerln und Schecken werden darin aufgeführt.

Das Naturhistorischem Museum in Wien hat in seiner Sammlung einige alte Stopfpräparate von Haustauben, darunter auch welche von Wiener Hochflugtauben, die auf die Zeit von 1806 bis 1816 datiert sind. Eine davon stammte aus dem Privatbesitz von keinem geringeren als Kaiser Franz I.

Umgangssprachlich wurde die Rasse in Wien früher auch Burzel, Jauker oder Wiener Hochflieger genannt. Der Name Burzel deutet noch auf die Vorfahren der Wiener Hochflugtauben hin, die aus dem indischen Raum bzw. Vorderasien stammten und im Flug noch purzelten.

Für den Hochflugtaubensport wurden und werden hauptsächlich die Hellstorchvarianten, Rotgestrichte, Blauschimmel und Blaue verwendet. Vereinzelt auch Einfärbige die es auch mit weißen Schwingen(geschwingt) gibt. Diese wurden einzeln oder zu zweit einen Schwarm von Gestorchten beigegeben um den Stich kenntlich zu machen. Das wird Stichzeichen genannt. Es gab auch noch einige andere Farbschläge wie zum Beispiel Dunkelstörche, Wiener Wilde, Farbstörche, Kiebitze und Geganselte, die heute entweder ausgestorben oder zu einer anderen Rasse geworden sind. Nebenbei erwähnt wurde auch eine Ziervariante aus der Wiener Hochflugtaube erzüchtet, der Wiener Tümmler. Diese Rasse wird ausschließlich für Ausstellungen gezüchtet und ist für den Hochflugtaubensport nicht mehr zu gebrauchen.

Wiener Hochflugtauben werden nach zwei Kriterien gezüchtet bzw. ausgelesen. Das erste und wichtigste Kriterium ist der Hochflug. Hierzu wurden von den Wiener Vereinen unter dem Dachverband, das Komitee der vereinigten Wiener Tümmler und Hochflugtaubenvereine Österreichs Regeln aufgestellt, nämlich die Jaukbestimmungen nach Karl Brosig. Einige Eckpunkte daraus sind schneller Auf- und Abstieg, fliegen von mindestens einer Stunde durchgehend in der Preishöhe(Flimmerhöhe) und einer Gesamtflugzeit von mindestens zwei Stunden.

Zum Flug der Wiener Hochflugtauben selbst ist zu sagen: Sie sind Truppflieger die sehr eng im Schwarm fliegen und auch unbedingt im Trupp geflogen werden sollten. Laut Jaukerordnung müssen es mindestens 18 Tauben sein. Die Rasse wird auschließlich vom Heimatschlag geflogen, fliegt freiwillig und kommt auch wieder freiwillig zu ihrem Taubenschlag zurück.

Ihr Aufstieg in die Preishöhe verläuft sehr rasch und Spiralförmig, der Flug selbst ist schnell mit Richtungswechseln und Wendungen auch werfen genannt. Die meiste Zeit verbringt ein gut tranierter Stich in der Preishöhe oder Flimmerhöhe. Man sieht den Stich dann nur mehr wie der Name sagt flimmern. Damit ist gemeint, wenn sich beim Richtungswechsel die Sonnenstrahlen auf dem Gefieder der Tauben brechen und der ganze Schwarm immer wieder hell an der Sichtbarkeitsgrenze aufblinkt. Die Jauker haben das früher auch spinnen genannt oder es ist Bewegung im Stich. Der Abstieg aus der Preishöhe erfolgt wiederum schnell nach unten und der ganze Schwarm landet gemeinsam.

Das zweite Kriterium für die Auswahl ist das Aussehen. Dafür wurde von den Wiener Hochflugtauben Verein im Jahre 1903 der erste schriftliche Standard nach dem Referat von Rudolf Baradieser und August Ebster entworfen. Davor züchtet jeder nach eigenem Belieben und das Wissen darüber wurde fast ausschließlich mündlich weiter gegeben. Dieser Standard wurde im Laufe der Jahre einige male angepasst. Darin sind die Farbschläge und der Typ der Wiener Hochflugtaube festgelegt wie z. B. abfallende Haltung, abgekanteter Hinterkopf, Göderl und Brusteinschnitt sowie Farben und Zeichnungen. Dieser Standard wurde auch vom RÖK, dem Rassezuchtverband der Österreichischen Kleintierzüchter, in dem der für die Wiener Hochflugtauben zuständige Verein SV14 Wiener und Budapester Tümmler eingegliedert ist anerkannt.

Das Jauken sowie das Wissen um die Zucht, Haltung, Flug und die Traditionen um die Wiener Hochflugtauben wurden vor kurzem von der UNESCO ins immaterielles Kulturerbe Österreichs aufgenommen. Hauptinitator und Antragsteller dafür war Peter Heindl. Hiermit wurde dieser alten Rasse ein würdiges Andenken gesetzt.

Eines muss zum Schluß noch erwähnt werden. Es gibt weder Stilflieger, Vollblutwiener, Premiumwiener, Wettbewerbswiener, Reisewiener oder Ähnliches! Wenn Züchter ihre Tauben so nennen entspringt es ihrer eigenen Phantasie und ist eine persöhnliche Sache vereinzelter Züchter, die meist zur besseren Vermarktung dient, am Zuchtziel der Wiener Hochflugtauben aber vorbeiführt, sowie als Rassebezeichnung unrichtig und daher unbedeutend ist! Noch dazu führen diese Namen zusätlich zu unnötigen Verwirrungen bei Neueinsteigern, die diese Rasse züchten wollen!

Als anerkannte Rasse bzw. Rassename gibt es die Wiener Hochflugtaube. Sollten die Zuständigen Vereine in Österreich eine Änderungen im Namen sowie den Fluganforderungen oder dem Standard für richtig halten, werden sie diese auch selbst durchführen!

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